der raum

Eröffnung: 27.06.19: 20 Uhr

28.06.19: 15 – 20 Uhr

29. & 30.06.19: 14 – 18 Uhr

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde kein anderer geografischer Raum im orientalistischen Bewusstsein so stark mit männlicher Homoerotik assoziiert wie der arabische. Heute herrscht in Europa hingegen meist das Bild einer in den dortigen Gesellschaften herrschenden, zutiefst homophoben Kultur vor. Viel weniger präsent sind hierzulande die Zeugnisse eines homosexuellen Emanzipationskampfes im arabischsprachigen Raum und einer lebendigen queeren Kultur, die mal offener und mal verdeckter gelebt wird. Sie antwortet auf die von den ehemaligen Kolonialmächten eingeführte und von den islamistischen Bewegungen freudig vorangetriebene Ächtung und Kriminalisierung gleichgeschlechtlichen Begehrens.

Welche kulturellen Praxen entwickeln Queers in arabischen Gesellschaften? Wie kam es dazu, dass der „Orient“ in einer Epoche, in der in Europa noch ein repressives Sexualregime vorherrschte, als sexualisiert, lasziv, dekadent und effeminiert galt und heute, in Zeiten der repressiven Entsublimierung hauptsächlich als prüde, patriarchal, viril und rückwärtsgerichtet gekennzeichnet wird? Wie könnte eine queere Kultur beschaffen sein, die auf universeller Befreiung von heteropatriarchalen Strukturen besteht, dabei aber nicht nur auf in westlichen Gesellschaften entwickelte Strategien zurückgreift?

Die Installation Mithly versteht sich als Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen und zur Dekolonialisierung queerer Kämpfe. Sie beschäftigt sich zum einen mit orientalistischen Fantasien über männliche Homosexualität in der arabischsprachigen Welt und untersucht, welche Rolle das männliche, gleichgeschlechtliche Begehren bei der Konstruktion zweier vermeintlich inkommensurabler und hierarchisch geordneter kultureller Räume spielte. Dem werden zum anderen Einblicke in die künstlerischer Positionen von Kunstschaffenden aus der Region selbst gestellt, die dem selbstbewusst eine eigene queere visuelle Praxis entgegenstellen.

Kurzfilme und Videointerviews mit Mohamad Abdouni, Antoine Idier, Abdellah Taïa, Alireza Sojaian, Akram Zaatari.

Ein Projekt von Julian Volz; Kamera, Ton, Schnitt: Yann Ducreux

Öffnungszeiten:

Eröffnung: 27.06.19: 20 Uhr

28.06.19: 15 – 20 Uhr

29. & 30.06.19: 14 – 18 Uhr